L E H R V E R A N S T A L T U N G E N :

Lektüre von historischen Photographien

RÄTSELhaftes auf alten PHOTOGRAPHIEn

Auf den Spuren der Bedeutung von Bildern

Jede Sichtung von Privatphotographien, unter denen meist undatierte und unbeschriebene sind, wirft viele Fragen auf wie z.B.: Warum liegen Babies im Atelier auf einem Fell und warum will man sie meist unbekleidet aufnehmen? Warum wurden alte Photos aus der angeblich „guten alten Zeit“ (bis um 1914) auf Karton geklebt? Ist eine Frau mit Kleinkind auf dem Arm immer die Kindesmutter? War denn gerade Fasching, wenn Buben und Mädchen sich wie Matrosen präsentieren? Was bedeuten „Stock und Hut“ bei jungen Männern?  Was mag wohl dieser ominöse Paragraph 11 auf

einem Bier- oder Weinfass bedeuten, um welches sich häufig Zechrunden gruppieren? Warum präsentieren sich junge Frauen meist im weißen Kleid? Die Braut steht in den meisten Fällen rechts, in einigen jedoch links vom Bräutigam - Zufall? Was bedeutet es, wenn eine Braut einmal mit Krönchen, dann mit Hut oder auch ohne Kopfbedeckung abgebildet ist? Was hat es mit den aus der Uniformbluse hervor lugenden Stiften bei Soldatenportraits auf sich? Worauf bezieht sich die Ergänzung "Hälftefeier" auf Mannschaftsgruppenportraits von Soldaten der Kaiserzeit? Und hat ein "Rekrutenabschiedskränzchen" wirklich etwas mit dem Militär zu tun? Was bezwecken Aufnahmen von scheinbar schlafenden Menschen? Was ist das für ein "Verein", wenn junge Männer gestreifte Bänder über der Schulter tragen, uniformartige Kopfbedeckungen und einer unter den Männern gar einen Fuchsschwanz an der Kopfbedeckung trägt? Welche Rolle spielt das Mädchen neben dem Priester und die daneben präsentierte Krone?  Was bedeutet es, wenn

Personen eine oval geformte Medaille am Halsband tragen? Warum sind private Photos das eine Mal quadratisch, dann andermal rechteckig? Diese und viele andere solcher „merkwürdigen“ Phänomene auf historischen Photographien sollen im Rahmen der Lehrveranstaltung behandelt werden. Dabei dienen Kleidung, Photographenstempel oder Firmenaufdruck, Atelierrequisiten, Bildformate und Aufmachung sowie Präsentationsmoden als Indizien zur Lösung all dieser für Leute von heute „ungeklärten Fälle". Mit diesen Informationen ausgerüstet können alte Familienphotos sozusagen zum Sprechen gebracht werden.


"... jede menge uralter bilder"

Bildbestimmung und Datierung

von historischen Photographien

Diesen Ausspruch hört man des öfteren, wenn es sich um den Inhalt eines Nachlasses, die Einladung zur Räumung durch Antiquariate und Trödler oder die Angebotspalette von Flohmarkthändlern handelt. Da jedoch "uralt" keine historische Kategorie darstellt und in manchen Fällen wie z.B. für die Familien- oder Ortschronik präzise Angaben benötigt werden, muss man sich nun einmal mit Methoden der Bildbestimmung auseinandersetzen.

Historische Photographien weisen für Laien unerkannt herstellungstechnische Merkmale auf, die  gewesen wären. Zudem gibt es in der Geschichte der Mode Zäsuren, mit deren Kenntnis man die Portrait- oder Gruppenaufnahme zumindest mit "Jahr x oder davor" oder "nicht vor dem Jahr Y" bestimmen kann. Allgemein gilt: Je höher die Gesellschaftsschicht, der die abgebildete Person angehört, umso exakter ist eine Datierung von Portrait- und Gruppenaufnahmen anhand ikonographischer Merkmale wie v.a. an Kleidung, Frisur, Accessoires möglich. Weitere Indizien für das jeweilige Entstehungsjahr finden sich auf den sog. Kartonphotos, die zwischen etwa 1851 und 1920 anfänglich durch Bestempelung, bald jedoch durch Vorder und/oder Rückseitenaufdruck einen Urhebervermerk aufweisen. Anhand von stilistischen Merkmalen lassen sich annäherungsweise Datierungen vornehmen, vorausgesetzt man ist kunsthistorisch versiert. Bei handschriftlich datierten Photos bedeuten Jahres- oder Datumsangabe noch lange nicht, dass es sich um die tatsächliche Entstehungszeit handelt! Und bei postalisch gelaufenen Ansichtskarten mit lesbarem Datumsstempel sollte man ebenfalls nicht auf das Jahr der Drucklegung schließen.

In dieser Lehrveranstaltung wird an Fallbeispielen aus dem "Bildarchiv Kulturforschung" des Referenten auf Irrtümer in vermeintlich sicheren Datierungen hingewiesen. Zudem werden epochentypische und stilistische Aspekte der Datierung von historischen Photographien behandelt.


eine frage des formats

Prinzess, Griseldis, Viktoria - als die zahlreichen

Bildformate noch klangvolle Namen trugen

 

Lehrinhalte in Bearbeitung


"HERZLICHE GRÜSSE VON DER KUR!"

Blütezeit und Niedergang der Ansichtskarte

Was uns heute SMS und MMS, facebook & Co. bedeuten, galt bis vor etwa 130 Jahren unseren „Altvorderen“ die damals epochale Einführung der illustrierten Correspondenzkarte, wobei Frühformen der visualisierten Korrespondenz schon für das 18. Jahrhundert nachweisbar sind. Nur mehr hartgesottene Traditionalisten, aber auch Menschen für „das Besondere“ versenden Botschaften auf Ansichtskarten, wobei sich ein kleiner aber exklusiver Markt für originelle und ausgefallene Motive erhalten könnte.

 Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sind Motive auf Ansichtskarten in den Fokus der volkskundlichen Bildforschung geraten, aber auch die Kunstgeschichte interessiert sich insbesondere für Künstlerkarten, die von namhaften Malern und Photographen gestaltet wurden. Die Kriegsgeschichte richtet wiederum ihr Augenmerk auf die Feldpostkarten, und Wirtschaftshistoriker durchleuchten die Entwicklungen in Drucktechnik, photographischer Aufnahmetechnik sowie die Marktdurchdringung und Absatzentwicklung.

 Dieser Vortrag behandelt hingegen die soziale Gebrauchsweise der Ansichtskarte aus der Perspektive der Kulturforschung. So sind die anlassgebundenen Ansichtskartentypen Nikolo-, Weihnachts-, Oster- und Pfingsgrußkarten im Kontext des jeweiligen Brauchgeschehens zu sehen. Die Gesamt- und Detailansichten von Städten, Märkten und Dorfgemeinden bilden für die Erforschung der Siedlungsentwicklung wichtige Quellen, da Bevölkerungszuwachs und Kriegsschäden die Orte teils völlig verändert haben. Schon früh erkannten Ansichtskartenverleger das Interesse von Sommerfrische- und Kurgästen an örtlichen Kleidungsweisen (Stichwort „Tracht“) und lokalen, regionalen und nationalen Festen und Bräuchen. Auch dem Kaiserhaus, Operettenkomponisten, Bühnenkünstlern sowie Kriegs- und Volkshelden wurde in Ansichtskartenform gehuldigt oder gedacht. Es waren vor allem schweizerische und reichsdeutsche Verlage sowie solche aus Salzburg, Wien, Graz und Klagenfurt im Absatz dominierend, jedoch wurden sie bald von einheimischen Verlagshäusern oder im Selbstverlag tätigen Photographen vom Markt verdrängt. Interessant ist, warum die um 1900 begehrten Farbdrucke immer mehr von Schwarzweißdrucken und -photographien verdrängt werden und bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts dominieren. Aber auch die sukzessive Expansion des Formats von der kleinen Correspondenzkarte bis zum heute favorisierten Offsetdruck im Format 12 x 17 cm sowie die Hintergründe für die Entstehung der Mehrbildkarte im Titelbild wird beleuchtet.